KWS-Herz schlägt trotz Veränderung in Einbeck
14.12.2018, fb – Wirtschaft

Bei aller Veränderung schlägt das Herz des global tätigen Saatzuchtunternehmens KWS auch in Zukunft in Einbeck. „Hier bauen wir auf, nicht ab“, verdeutlicht Vorstandschef Dr. Hagen Duenbostel. Bei der Hauptversammlung mit rund 700 Aktionären am Freitag hat sich das Unternehmen einen neuen „Maßanzug“ zugelegt, wie der KWS-Vorstandsprecher den beschlossenen Wechsel in der Rechtsform bezeichnete, dieser ermögliche Wachstum und Kontinuität gleichermaßen.

Das Aktionärstreffen fand erstmals seit mehr als 25 Jahren wegen Baumaßnahmen nicht auf dem eigenen Gelände, sondern in der PS-Halle in Einbeck statt. Auf dem Areal neben dem Biotechnikum an der Grimsehlstraße entsteht unter anderem bis Anfang 2020 für insgesamt rund 20 Millionen Euro ein neues Laborgebäude mit Platz für 170 Mitarbeiter und dem neuen zentralen Rechenzentrum, um die Forschung am Standort Einbeck weiter auszubauen.

Am Standort Einbeck arbeiteten im Geschäftsjahr auf dem 130.000 Quadratmeter großen Gelände 1430 Mitarbeiter aus 32 Nationen, gut 100 mehr als ein Jahr zuvor. Weltweit beschäftigte KWS im vergangenen Geschäftsjahr 5150 Menschen, vier Prozent mehr als im Jahr zuvor. Allein 1900 Mitarbeiter sind im Bereich Forschung und Entwicklung tätig.

„Vorstand und Aufsichtsrat sind sich einig, dass wir verstärkt durch Zukäufe wachsen und Aquisitionen auch flexibel über den Kapitalmarkt finanzieren wollen“, sagte Duenbostel. Gleichzeitig wolle man „das einzigartige Profil unseres Familienunternehmens“ erhalten. Deshalb ist KWS dem Beispiel von Henkel oder Otto Bock gefolgt und hat für 2019 einen Wechsel der Rechtsform der KWS Saat SE in eine SE & Co. KGaA (Kommanditgesellschaft auf Aktien) und einen Aktiensplit im Verhältnis 1:5 beschlossen, jeder Aktionär erhält für jede bestehende Aktie vier Aktien. Mit der Umwandlung sei sichergestellt, dass die familiengeprägten Mehrheitsverhältnisse bei KWS auch bei einer Kapitalerhöhung mit Ausgabe neuer Aktien unbeeinträchtigt bleiben werden. „Wir Familienaktionäre denken in Generationen und nicht in Quartalen“, machte Aufsichtsratsvorsitzender Dr. Andreas Büchting deutlich. „Die Verhältnisse bleiben wie sie sind“, formulierte es Duenbostel. „Wenn sie etwas Gutes für KWS tun wollen, stimmen sie zu“, sagte er vor der Abstimmung. Was die breite Mehrheit tat.

An den Beteiligungsverhältnissen ergeben sich keine Änderungen, die Mehrheit bleibt bei den Familien Büchting und Oetker. Komplementärin der neuen KGaA wird die KWS SE. Darin haben die Familienaktionäre die Mehrheit der Stimmrechte. Aufgabe der KWS SE ist die Geschäftsführung und damit die langfristige und strategische Steuerung des Unternehmens. Gesellschafter sind die Beteiligungsgesellschaften der Familien Büchting und Oetker (je 40 Prozent) sowie des Ex-Aufsichtsrates Dr. Hubertus von Baumbach (20 Prozent), dem dort eine „moderierende Rolle“ zukomme, wie es Vorstandschef Duenbostel formulierte.

Niemals mehr werde es nun eine feindliche Übernahme geben können, die Kleinaktionäre hätten hingegen jetzt noch weniger zu sagen, beleuchteten Kleinaktionärsvertreter die zwei Seiten der Medaille. Gleichzeitig steige durch den Aktiensplit die Handelbarkeit der Aktien am Markt.

KWS förderte auch im abgelaufenen Geschäftsjahr regionale Projekte (244.000 Euro) und unterstützte außerdem Wissenschaft und Forschung (353.000 Euro). Grünes Licht hat der Vorstand für die zusätzliche Förderung eines nachhaltigen Projekts mit konkretem Bezug zum Standort Einbeck in Höhe von einer Million Euro gegeben.

An der neuen Bahnstrecke Einbeck-Mitte nach Salzderhelden ist ein Haltepunkt am KWS-Gelände unweit der Otto-Hahn-Straße vorgesehen, dessen Baukosten das Unternehmen bezahlen wird, weil es und seine Mitarbeiter am stärksten davon profitieren werde, wie Vorstandschef Duenbostel erklärte. Die Landesnahverkehrsgesellschaft LNVG hatte den Haltepunkt für Ende 2019 angekündigt.

KWS hat seinen neuen Standort in Berlin gefunden: In der Hauptstadt konzentriert KWS seine bislang weltweit verstreuten Fachleute der Bereiche Finanzen, Personal, Einkauf und administrative Aufgaben, stellt aber auch neue Mitarbeiter ein, die „den Schritt in ein ländliches Arbeitsumfeld ablehnen“, wie es Personalvorstand Eva Kienle sagte. Von Einbeck wechseln rund 30 Mitarbeter nach Berlin. Die Entscheidung für den Berlin-Standort sei keine gegen Einbeck, machte Hagen Duenbostel deutlich. Für einige sei der Wechsel beispielsweise auch eine Karrierechance, andere wollten hingegen den Schritt aus guten Gründen nicht gehen. Leider habe man "auch Mitarbeiter auf dieser Reise verloren", umschrieb es Kienle. Drei Viertel der 374 Stellen in Berlin habe man aber KWS-intern besetzen können. Dort in Berlin gebe also eine Kerntruppe, die die Identität von KWS lebe.

KWS erweitert seinen Vorstandskreis auf fünf Mitglieder: Felix Büchting, der Sohn des Aufsichtsratsvorsitzenden Dr. Andreas Büchting, ist ab Januar 2019 neues Vorstandsmitglied. Das neue KWS-Vorstandsmitglied möchte nicht nur „noch ein Büchting“ sein oder ein „Frühstücksdirektor“, wie er in der Hauptversammlung augenzwinkend sagte. „Ich werde alles dafür tun, dass KWS weiterhin über sich hinauswächst“, versprach Felix Büchting. Die siebte Generation der Firmengründer zu sein sei ein Privileg, dessen sei er sich bewusst. Der promovierte Agrarbiologe war bereits 2005 bis 2007 im Unternehmen tätig, bevor er weitere berufliche Erfahrungen außerhalb der KWS sammelte, er kümmerte sich unter anderem fünf Jahre beim Holzmindener Aromen-Hersteller Symrise um die Rohstoffe-Beschaffung. Seit 2016 ist Büchting wieder für KWS tätig.