KWS investiert weiter in Einbeck
15.12.2017, fb – Wirtschaft

KWS wird auch in den kommenden Jahren seinen Stammsitz in Einbeck ausbauen. Der 2018 startende globale Umbau der Struktur für das in 70 Ländern aktive Unternehmen wird jedoch auch Einbeck betreffen, wo rund 1400 der insgesamt fast 5000 Mitarbeiter arbeiten. „Einbeck wird der zentrale Standort der KWS-Gruppe mit Sitz der Unternehmensleitung und einer weiter wachsenden Anzahl an Mitarbeitern bleiben“, betonte Finanz- und Personalvorstand Eva Kienle bei der Hauptversammlung vor rund 700 Aktionären in Einbeck.

Teile aller Verwaltungsbereiche werde es auch weiterhin in Einbeck geben. Kienle: „Hier wird in den nächsten Jahren weiter gebaut, gearbeitet, gefeiert, diskutiert, geforscht, gelacht und gezüchtet werden.“ Bei aller Investition in Einbeck: Etwa 150 Mitarbeiter werden nach Berlin wechseln, wo KWS im nächsten Jahr einen Standort eröffnet. Durch weitere neue Mitarbeiter im Bereich Forschung werde aber die Beschäftigtenzahl in Einbeck bei etwa 1400 bleiben und künftig hier auch weiter wachsen, betonte der Vorstand.

„Globe“ nennt KWS den Umbau der Verwaltungsstruktur, die sich an Funktionen orientieren wird und nicht mehr wie bisher nach Regionen ausgerichtet ist. In Berlin wird der Saatzüchter mit seinen weltweit 65 Gesellschaften in der KWS-Gruppe ein so genanntes Globales Transaktionszentrum (GTC)  aufbauen und außerdem die Bereiche Finanzen und Personal konzentrieren. Im GTC werden beispielsweise Abrechnungen und andere Verwaltungsprozesse gebündelt abgewickelt. Starten wird KWS in Berlin mit 250 Mitarbeitern auf gemieteter Bürofläche am Leipziger Platz. Am Ende des drei Jahre dauernden Umstellungsprozesses werden rund 350 Mitarbeiter in der Hauptstadt für KWS arbeiten, unter Umständen dann in einem eigenen Neubau.

In Einbeck vollendet der Saatzüchter im kommenden Jahr mit dem Bau eines Maschinenhauses für rund 9,5 Millionen Euro die Modernisierung und Erweiterung der Zuckerrüben-Saatgutaufbereitung, die sich KWS über mehrere Jahre insgesamt 41 Millionen Euro kosten lässt. Die Hallen dafür stehen bereits. Das Unternehmen kann künftig schneller die immer spezifischer werdenden Anforderungen an Saatgut bei Pillierung, Wirkstoffapplikation und Verpackung erfüllen, benötigt weniger Rüstzeiten für flexible Produktwechsel.

Für den Neubau eines zweiten Biotechnikum-Laborgebäudes an der Stelle eines bereits abgerissenen alten Gewächshauses haben die Arbeiten bereits begonnen, die ein Volumen von 16,5 Millionen Euro umfassende Investion soll Ende 2019 abgeschlossen sein. Das neue Gebäude wird in mehreren Ausbaustufen am Ende zusätzliche 2350 Quadratmeter Laborfläche und 80 Büroarbeitsplätze schaffen.

KWS förderte auch im abgelaufenen Geschäftsjahr regionale Projekte (373.000 Euro) und Wissenschaft und Forschung. Diesen Betrag hat das Unternehmen auf insgesamt 640.000 Euro gesteigert, weil KWS mit anderen Partnern aus Industrie und Universität zusammen ein Zentrum für integrierte Züchtungsforschung in Göttingen aufbaut und für die nächsten zehn Jahre unterstützt. 2017 hat KWS hierfür 100.000 Euro ausgegeben.

Veränderungen gibt es im Aufsichtsrat: Victor W. Balli (Zürich) ist neu in das Gremium gewählt worden. "Es ist ein Glücksfall, ein solches Kaliber für KWS gewinnen zu können", sagte Aufsichtsratschef Dr. Andreas Büchting. Der 60-jährige Schweizer, Finanzvorstand des weltweit tätigen Kakao- und Schokoladenproduzenten Barry Callebaut, ersetzt Hubertus von Baumbach (Ingelheim), der nicht wieder kandidiert hatte, weil er im vergangenen Jahr den Vorstandsvorsitz im Familienunternehmen Boehringer übernommen hat. Arbeitnehmer-Vertreter im Aufsichtsrat ist weiterhin Jürgen Bolduan und neu Christine Coenen. Außerdem gehören dem Aufsichtsrat in den nächsten sechs Jahren an: Dr. Andreas Büchting (Vorsitz), Dr. Marie Theres Schnell (München) und Cathrina Claas-Mühlhäuser (Harsewinkel/Frankfurt).

Das Vergütungssystem des Aufsichtsrats hat die Versammlung auf Wunsch der Aktionäre aus den vergangenen Jahren auf eine reine Festvergütung umgestellt, die keine am Unternehmenserfolg ausgerichtete variable Vergütung mehr enthält. Dadurch werde der Kontrollfunktion besser Rechnung getragen, hieß es.

Das Einbecker Saatzuchtunternehmen KWS Saat SE zahlt seinen Aktionären eine höhere Dividende. Bei der Hauptversammlung mit rund 700 Anteilseignern am Donnerstag in Einbeck wurde die Dividende erstmals seit 2013 erhöht: 3,20 Euro je Aktie gibt es und damit 20 Cent mehr. KWS schüttet damit gut 21,1 Millionen Euro des Bilanzgewinns aus.

Zur Person
Victor W. Balli, geboren 1957, ist neu im KWS-Aufsichtsrat.  Der Schweizer ist seit 2007 Finanzvorstand des weltweit tätigen Kakao- und Schokoladenproduzenten Barry Callebaut AG.  Das an der Schweizer Börse notierte Unternehmen beschäftigt 9.500 Mitarbeiter in 28 Ländern. Seine Expertise als Finanzexperte bringt Victor W. Balli auch im Verwaltungsrat der Givaudan SA,  einem führenden  Hersteller  von Aromen und Duftstoffen, ein. Ferner ist Victor W. Balli Präsident der „Vereinigung der schweizerischen Finanzchefs“. Balli studierte von 1976 bis 1981 zunächst Chemie. Nach einem Aufbaustudium an der Universität St. Gallen erwarb er 1984 einen Master of Economics. Parallel arbeitete er als Chemielehrer an einem Gymnasium, bevor er 1985 als Finanzanalyst  und  Business Development Manager in die private Wirtschaft wechselte. Seine beruflichen Stationen führten ihn unter anderem nach Mailand, Princeton und New York. Balli ist verheiratet und Vater von drei erwachsenen Kindern.