Landkreis kündigt Blitzer-Orte wieder an
25.07.2018, fb – Politik, Wirtschaft

Die Kreisverwaltung wird die Orte von mobilen Blitzern in Zukunft wieder vorher ankündigen. "Ich möchte das Thema der überhöhten Geschwindigkeit immer wieder in das Bewusstsein der Autofahrer bringen", sagt Landrätin Astrid Klinkert-Kittel. Jeweils freitags werden deshalb ab sofort über verschiedene Kanäle die Städte und Gemeinden genannt, in denen in der Folgewoche kontrolliert wird. Den genauen Messstandort wird die Kreisverwaltung jedoch nicht nennen. Nach einiger Zeit möchte die Landrätin auswerten lassen, ob die Autofahrer durch die Ankündigungen aufmerksamer fahren. Zu hohe Geschwindigkeit ist immer noch eine der häufigsten Unfallursachen, weiß Polizeichef Hans Walter Rusteberg. Die Polizei, die vor allem außerorts misst, wird auch in Zukunft ihre regelmäßigen Tempokontrollen nicht vorab ankündigen.

In der Northeimer Kreisverwaltung gibt es drei Mitarbeiter, die täglich unterwegs sind und die Geschwindigkeit auf den Straßen messen. 50 Messstellen, die der Landkreis als Gefahrenstellen ansieht, werden regelmäßig von den Mitarbeitern angefahren. Dafür stehen zwei mobile Anlagen zur Verfügung: Eine aufwändigere Eso-Messanlage, die zwei Fahrtrichtungen gleichzeitig überwachen und damit auch Motorräder blitzen kann; außerdem eine flexiblere Leivtec-Kamera, bei der die Messung 30 bis 40 Meter vor dem Kamerastandort stattfindet. Außerdem gibt es im Kreisgebiet vier stationäre Blitzer. Jeden Monat werden vom Landkreis Northeim zwischen 900 und 1000 Bußgeldbescheide verschickt, bei durchschnittlich 40 bis 50 von ihnen gibt es Einsprüche. Der Landkreis Northeim nimmt jedes Jahr rund 250.000 Euro durch die Geschwindigkeitsmessungen ein. Diese Summe im Promillebereich angesichts des Gesamtetat-Volumens saniere keinesfalls den Kreishaushalt, sagt die Landrätin zu immer wieder kolportierten Aussagen in der Bevölkerung. Tempomessungen seien auch keine Geldmacherei und willkürliche Abzocke, ärgert sich Klinkert-Kittel über diese Vorurteile.

Der Landrätin geht es darum, an die Gefahren von überhöhter Geschwindigkeit zu erinnern. „Im Auto fühlt sich der Unterschied zwischen 30 und 50 km/h nicht groß an. Für die Fußgängerinnen und Fußgänger kann er über Leben und Tod entscheiden“, machte Landrätin Astrid Klinkert-Kittel mit Blick auf entsprechende Statistiken deutlich. Fußgänger, die bei Tempo 30 von einem Auto erfasst werden, überleben den Unfall sehr wahrscheinlich mit leichteren Verletzungen wie Knochenbrüchen oder Schürfwunden. Jedoch bei einer Geschwindikeit von 65 Stundenkilometer seien schwere Knochenbrüche am ganzen Körper und ein schweres, möglicherweise tödliches Schädel-Hirn-Trauma zu erwarten. Die Todeswahrscheinlichkeit der Fußgänger erhöht sich laut Landrätin von 2 auf 40 Prozent.

Im Zuständigkeitsbereich der Polizeiinspektion Northeim/Osterode ist die Zahl der Verkehrsunfälle mit „schwerem Personenschaden“, also mindestens einer schwerverletzten Person, von 217 Unfällen im Jahr 2007 auf im Schnitt 120 Schwerstunfälle in den vergangenen drei Jahren zurück gegangen. „Das ist auch auf die Zahl der Geschwindigkeitskontrollen zurückzuführen,“ sagt Polizeichef Hans-Walter Rusteberg.

Grundsätzlich blitzt der Landkreis an allen Stellen, die Gefahrenschwerpunkte darstellen. Damit ist aber auch gemeint, dass an diesen Stellen die geltenden Tempolimits häufig überschritten werden. Wer eine Gefahrenstelle melden und Geschwindigkeitskontrollen anregen will, kann sich per E-Mail blitzer@landkreis-northeim.de direkt an die Kreisverwaltung wenden. Die Bürger sollen dabei auch eine konkrete Antwort bekommen, wenn aus verschiedenen Gründen an den vorgeschlagenen Stellen keine Messung möglich ist, beispielsweise weil eine gerade Straße zu kurz für Messungen ist, kündigte die Landrätin an.

Im vergangenen Jahr haben die Landkreis-Mitarbeiter 160 Messstellen bei 305 Geschwindigkeitsmessungen besucht, am häufigsten (zehn Mal) standen die Blitzer in der Sudheimer Straße in Northeim in der Nähe mehrerer Schulen und Seniorenheime. Die meisten Verstöße (relativ zum Gesamtverkehrsaufkommen) wurden unter anderem am Altendorfer Tor in Einbeck festgestellt. 40 bis 50 Prozent aller Verkehrsteilnehmer dort seien zu schnell, allerdings viele im Bereich von Verwarnungen, erläuterte Thomas Keufner vom Fachbereich Ordnungsangelegenheiten beim Landkreis Northeim.

Ein Kurzclip einer Geschwindigkeitsmessung hier.