Marktplatz-Pflaster aus dem 13. Jahrhundert gefunden
31.10.2018, fb – Politik, Sonstiges

Die Erdarbeiten für das Fundament eines Kunstwerks von Timm Ulrichs, das noch in diesem Jahr nördlich des Einbecker Marktkirchturms aufgestellt werden soll, haben die Möglichkeit eröffnet: Stadtarchäologe Markus Wehmer hat bei den Ausgrabungen in dieser Woche insgesamt vier Schichten Marktplatz-Niveau aus vergangenen Zeiten dokumentieren können. Dabei kamen erstmals flächig übereinander Pflasterungen aus dem 13. und dem 14. Jahrhundert zum Vorschein, in einer Tiefe von 1,10 Meter und 1,30 Meter. "Das zeigt, dass der Marktplatz damals befestigt war", sagt Wehmer, "und das war nicht selbstverständlich zu der damaligen Zeit". Das Steinpflaster dokumentiere den Wohlstand Einbecks in dieser Zeit.

Datieren lassen sich die Pflasterungen durch Schutt-Schichten oberhalb und unterhalb der Steine, in denen der Archäologe verschiedene Gegenstände gefunden hat, beispielsweise Scherben von Tongefäßen oder geschliffene Glasreste. 1987 waren vor der Neupflasterung des Einbecker Marktplatzes bereits vor dem Rathaus Reste von altem Straßenpflaster aus früheren Jahrhunderten gefunden worden, allerdings nicht so flächig wie jetzt. Diese  bis zu 800 Jahre alten Pflasterschichten lässt der Experte dreidimensional fotografieren, um die aktuellen Befunde später noch betrachten und wissenschaftlich bewerten zu können. Das historische Pflaster wird schützend abgedeckt und auf ihm dann das Fundament für das Kunstwerk "Von Null bis unendlich" gegossen. Für dieses ist eine tiefe Gründung notwendig, weil eine Drehscheibe aus Stahl von einem Motor angetrieben werden soll und das Kunstwerk bewegt.

Gefunden hat Markus Wehmer außerdem die Reste der barocken Sandstein-Friedhofsmauer, welche die damaligen Einbecker einfach als Untergrundschicht für ein neues Straßen-Niveau verwendet haben. Die erwarteten Gräber hat der Archäologe nicht entdecken können bei den jüngsten Ausgrabungen. Bis 1780 existierte nördlich der Marktkirche seit dem Mittelalter ein Friedhof, Tote wurden früher in unmittelbarer Kirchennähe bestattet. Ende des 18. Jahrhunderts wurden diese innerstädtischen Friedhöfe vor allem aus hygienischen Gründen aufgegeben.