Markus Wehmer (36) ist neuer Stadtarchäologe in Einbeck
24.02.2017, fb – Politik, Wirtschaft, Freizeit

Er hatte nie einen anderen Berufswunsch und ist nach wie vor glücklich, Archäologe geworden zu sein. „Das Archiv im Boden hat noch längst nicht alle Geheimnisse offenbart“, sagt Markus Wehmer. Seit Jahresbeginn ist der 36-Jährige dem bislang Verborgenen im Stadtgebiet von Einbeck als neuer Stadtarchäologe auf der Spur. „Eine Traumstelle“, freut sich Wehmer darüber, die Nachfolge von Dr. Stefan Teuber antreten zu können, der jetzt in Northeim Stadtarchivar und Museumsleiter ist. „Einbeck gehört deutschlandweit zu den am besten archäologisch erforschten mittelalterlichen Städten“, sagt Wehmer. Die weit über Deutschland hinausreichende Bekanntheit und Wertschätzung der Einbecker Grabungsergebnisse resultiere aus mittlerweile 26 Jahren Einbecker Stadtarchäologie, verbunden mit intensiver Forschungs- und Publikationstätigkeit seiner beiden Vorgänger Dr. Stefan Teuber und Dr. Andreas Heege.

Warum ist ein Archäologe im Rathaus weiterhin wichtig? „Eine Stadt, die sich ihrer langen Geschichte so bewusst ist wie Einbeck und diese auch nach außen kommuniziert, kann mit einer eigenen Archäologischen Denkmalpflege bei Bauanträgen viel schneller auf die Anfragen und Bedürfnisse der Bürger reagieren und dabei das im Boden befindliche, kulturelle Erbe der Stadt bestmöglich bewahren oder fachgemäß ausgraben und dokumentieren“, sagt Markus Wehmer. „Ein Archäologe in Einbeck bedeutet Bürgernähe mit kurzen Wegen und pragmatischen Lösungen.“

Nach Studium in Jena und Halle und Volontariat am thüringischen Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie in Weimar hat Markus Wehmer in verschiedenen Abteilungen der Denkmalfachbehörde (Fundsammlung, Aktenarchiv, Restaurierungswerkstatt, Grafikatelier, Publikationen) gearbeitet. „Das kommt meiner neuen Stelle sehr zugute“, sagt der 36-Jährige. Zum hauptsächlichen Aufgabengebiet der Archäologischen Denkmalpflege gehöre eben nicht nur eine öffentlich sichtbare Grabungstätigkeit, sondern zunächst die Bearbeitung von Bauanträgen auf ihre archäologische Relevanz.

Seine archäologische Arbeit mit Schaufel, Kelle und Pinsel und deren Faszination vermitteln möchte Markus Wehmer mit öffentlichen Grabungsführungen, regelmäßigen Vorträgen und kleinen Sonderausstellungen im Einbecker Museum. „Ich erkläre immer gern die Aufgaben und Ziele der Archäologie“, sagt er. Erste Ausgrabungen in diesem Jahr sind schon in Planung, zuvor liest sich der 36-Jährige in die Grabungsunterlagen der vergangenen 25 Jahre ein und vertieft seine Kenntnisse des Einbecker Fundmaterials im neuen Magazin, das mehrere Hundert Kisten jetzt in optimaler Umgebung beherbergt. Wenn er eine Frage hat, kann er sich vertrauensvoll an Dr. Stefan Teuber im nahen Northeim wenden, freut sich Wehmer.

„Was einige in der Erde buddeln nennen, ist nach wissenschaftlichen Kriterien planmäßiges ausgraben – Schicht für Schicht“, sagt der Stadtarchäologe über seine Arbeit. „Nicht der einzelne Fundgegenstand ist entscheidend, sondern der Gesamtzusammenhang, in welchem er eingebettet liegt.“ Daher sei eine präzise Dokumentation wichtig. „Nur so können neue Erkenntnisse zur Besiedlungsabfolge beziehungsweise Stadtentwicklung gewonnen und in den historischen Zusammenhang eingeordnet werden.“

Markus Wehmer hat seit 2008 archäologische Ausgrabungen in Nordthüringen und Sachsen-Anhalt geleitet. Dabei konnte er in Nordhausen mehrere großflächige Stadtkerngrabungen durchführen, deren Ergebnisse sich gut mit den Grabungen am Petersilienwasser in der Einbecker Innenstadt vergleichen lassen. Zwischen 2011 und 2014 war Wehmer als Projektleiter der bislang größten Ausgrabung Thüringens (in der „Goldenen Aue“ südlich des Harzes) für Koordination und Durchführung von fünf gleichzeitigen Grabungen auf einer Gesamtfläche von 100 Hektar zuständig. Über eine dabei großflächig untersuchte jungsteinzeitlichen Siedlung schreibt der neue Stadtarchäologe von Einbeck seine Dissertation an der Freien Universität Berlin.

Markus Wehmer ist verheiratet, reist und wandert gerne und kümmert sich als Hobby um Imkerei.