Mit Hut den Frühling begrüßt
09.03.2018, fb – Politik

Mit Hut den Frühling begrüßt haben rund 200 Frauen im Historischen Rathaus von Einbeck am Weltfrauentag bei einer vom Frauenforum mit mehreren Kooperationspartnern erstmals organisierten Veranstaltung. Im Frauenforum sind alle weiblichen Stadtratsmitglieder sowie die Gleichstellungsbeauftragte der Stadt organisiert; es will die weibliche Sichtweise deutlich machen.

Im Namen des Frauenforums begrüßten Beatrix Tappe-Rostalski, Eunice Schenitzki und Gleichstellungsbeauftragte Simone Engelhardt die Besucherinnen. Sie dankten allen Kooperationspartnern, Helfern, Sponsoren und Unterstützern, allen voran den Schülerinnen und Schülern der BBS Einbeck mit Dörte Kirst-Bode an der Spitze. Tappe-Rostalski dankte auch besonders Eunice Schenitzki, "unter deren Hut die Idee gereift ist und ohne die das alles hier heute nicht stattfinden würde". 

Beatrix Tappe-Rostalski erinnerte an die Einführung des Frauenwahlrechts vor 100 Jahren. "Wir ziehen unseren Hut vor diesen starken Frauen, die das erkämpft haben." Formal gebe es zwar heute Gleichberechtigung, die aber an ihre Grenzen stoße. Noch immer seien Frauen unterrepräsentiert und werden 21 Prozent schlechter als Männer bezahlt, kritisierte Tappe-Rostalski. Der Stadtrat hat heute neun Frauen (von 44 Mitgliedern). "Da geht in jedem Fall noch was", sagte die Ratsfrau unter dem Beifall der Besucherinnen.

Für gute Laune sorgte eine lockere Talkrunde von Schülerinnen der Berufsbildenden Schulen mit Frauen, die den sprichwörtlichen Hut aufhaben und alles unter einen Hut bekommen müssen - Bürgermeisterin genauso wie Superintendentin oder Feuerwehr-Ortsbrandmeisterin.

Viel Beifall bekam eine Hut-Modenschau von BBS-Schülern. Ein Video der Veranstaltung hier.

Kunsthistorikerin Ulla Feiste präsentierte Hutgeschichte und zeigte Bilder eines bedeckten Kopfes. "Wir feiern heute die Freiheit, einen Hut unserer Wahl aufsetzen zu können", sagte Feiste. Das sei im Laufe der Geschichte nicht immer so gewesen. Von der Kinnbinde, die sich lockerte, womit die Frau "weniger am Hals hatte" und "nicht mehr gebunden" war, führte der Weg der Geschichte zur Liberalisierung der Kopfbedeckung. Beim Kampf ums Frauenwahlrecht gab's Kopffreiheit, die Frauen hatten Bedeckungen ihrer Wahl oder auch gar keine mehr auf oder kämpften mit Schiebermütze für sozialistische Ideale. Mehrere Frauen, berichtete Feiste, seien mit ihren Kopfbedeckungen auch Stilikonen ihrer Zeit gewesen, Jacky Kennedy etwa mit ihrer Pillbox oder Marlene Dietrich mit Baskenmütze oder Zylinder. Diskriminierend bleibe, dass weibliche Hutmacher Modistin genannt werden oder abschätzig gar Putzmacherin, erzählte Ulla Feiste.

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