Neue Fotoausstellung im PS-Speicher: "Moorleichen aus Blech"
22.02.2017, fb – Unterhaltung, Freizeit, Wirtschaft

Sie sind das Gegenteil von dem, was sonst im PS-Speicher zu sehen ist: Bei den Oldtimern der ersten Fotoausstellung auf der Galerie der PS-Halle blitzt kein Chrom und funkelt kein polierter Lack im Scheinwerferlicht. Es ist eine Ästhetik von Rost und Vergänglichkeit, die Clemens Kröner und Ulrich Haufe auf 30 großformatigen Fotografien zeigen. Und mitten drin steht eine leibhaftige „Moorleiche aus Blech“, ein NSU Prinz, Baujahr 1960. Wie sich das im Moor versunkene und für die Ausstellung wieder geborgene Fahrzeug verändert hat, zeigt den Besuchern zum Vergleich ein direkt daneben stehender, leuchtend rot strahlender baugleicher NSU Prinz im Originalzustand.

Bislang haben Clemens Kröner, im Hauptberuf Steuerberater und passionierter Naturfotograf, und der professionelle Naturfilmer Ulrich Haufe 35 Fahrzeugwracks in norddeutschen Wäldern und Mooren entdeckt, langsam verschlungen von Pflanzen und dem morastigen Untergrund. Als Team haben die beiden Oldtimerfans über mehrere Jahre hinweg neben Filmaufnahmen auch Hunderte von Fotos der aus den 1950-er und 1960-er Jahren stammenden „Moorleichen aus Blech“ aufgenommen. In der Natur haben sie Karossen gefunden, die abgeschrieben waren, entsorgt und vergessen.  

Alte ausgeschlachtete Autos einfach in ein Waldstück zu bringen und ins Moor zu kippen – diese Art der Entsorgung verbrauchter Mobilitätsträume war vor einem halben Jahrhundert durchaus üblich und nichts Anrüchiges. Wohlstandsmüll wurde entsorgt, wo er gerade entstand. „Wir sind in einer Naturlandschaft auf einen Haufen Schrott gestoßen und waren schnell infiziert“, berichten die Oldtimerfans Clemens Kröner und Ulrich Haufe von ihren Streifzügen. Mit der Schau, in der neben Fotos auch geborgene brüchige Lenkräder, patinierte Armaturenbretter und rostige Kilometerzähler in Vitrinen zu sehen sind, wollen die Männer aus Uchte ein kleines Stück Automobilgeschichte der Wirtschaftswunderzeit zeigen, von dem bislang wenig bekannt war. Faszinierende Bilder vor sich hin rostender Oldtimer inmitten karger Moorlandschaften zeigen schlafende Schönheiten der Autoindustrie von Opel Rekord Olympia P1, DKW über Fiat 600, Ford Taunus P3 Kombi, Goggomobil, NSU bis VW Käfer. In der seltsam unwirklichen Kulisse aus verrottender Technik und Natur stehen die Blechruinen auch als Symbol für die Vergänglichkeit menschlicher Technik, als Umweltschutz und Nachhaltigkeit noch keine Gedanken waren.

Die Fotoausstellung „Moorleichen aus Blech“ kann während der Öffnungszeiten des PS-Speichers (Dienstag bis Sonntag, jeweils 10 bis 18 Uhr) besichtigt werden und ist im Eintrittspreis enthalten.