Neujahrsempfang: Einbeck zur Marke bewegen
20.01.2019, fb – Wirtschaft, Politik

Einbeck soll 2019 stärker zur Marke werden, sich noch deutlicher positionieren, auch touristisch. Dieser Wunsch wurde beim Neujahrsempfang von Einbeck Marketing in der PS-Halle ausgesprochen, rund 200 Gäste aus Wirtschaft, Politik und Gesellschaft waren der Einladung in diesem Jahr gefolgt. Die "Gläserne Eule" für besonderes gesellschaftliches Engagement erhielt Albert Eggers, Präsident der Gesellschaft der Karnevalsfreunde Einbeck. Über Impulse aus Einbeck für Einbeck sprachen Christian Gabriel (Ilmebahn), Rainer Koch (Senfmühle), Bernd Cranen (Stadtwerke) und Lothar Meyer-Mertel (PS-Speicher).

Bürgermeisterin Dr. Sabine Michalek erklärte die Markenbildung Einbecks zu ihrer Chefinnen-Aufgabe in den nächsten Monaten. "Uns fehlt als Stadt eine klare Positionierung", sagte sie. "Deshalb muss es jetzt unser vordringliches Ziel sein, die Marke Einbeck zu entwickeln und darauf aufbauend ein einheitliches Vermarktungskonzept für Stadt, Standort und Tourismus-Marketing zu erarbeiten, das die Stärken unserer Stadt nach vorne stellt und das Image nachhaltig stärkt." Darauf möchte sie ihren Fokus richten, kündigte die Bürgermeisterin an. Sie lud dazu ein, daran mitzuwirken.

Nicht zuletzt der PS-Speicher mit seinen knapp 100.000 Besuchern pro Jahr lasse den Tourismus als Wirtschaftsfaktor wachsen. "Ich weiß, dass wir im Bereich Tourismus noch nicht so weit sind wie wir sein sollten und auch sein wollen." Seit einem Jahr habe die neue Touristinfo-Chefin Ulrike Lauerwald schon vieles mit ihrem Team geleistet, wichtige Hintergrundarbeit erledigt, Weichen gestellt, erklärte die Bürgermeisterin.

Bei der im vergangenen Jahr entwickelten Gesamt-Strategie mit ihren priorisierten 19 Oberzielen in sechs Handlungsfeldern müsse man jetzt "vom Abstrakten zum Konkreten kommen", aus den Zielen Maßnahmen ableiten, diese in konkrete Projekte fassen und umsetzen. "Das wird uns in diesem Jahr gut beschäftigen", sagte Michalek. Die Bürgermeisterin dankte allen, die sich in der Stadtgesellschaft einbringen, die den wirtschaftlichen Motor der Stadt bilden. "Mit ihrem Engagement tragen sie entscheidend dazu bei, dass sich die Stadt weiterhin so positiv entwickelt." Unternehmergeist zu haben, bedeute in Chancen zu denken und gestalten zu wollen. Michalek dankte für das Vertrauen in den Standort Einbeck.

"Einbeck ist in Bewegung" stellte der Vorsitzende des Vereins Einbeck Marketing InitiativGemeinschaft, Christoph Bajohr, fest. Und Einbeck brauche auch Veränderung und Bewegung, denn sie bedeuteten Fortschritt. "Wir wollen nicht überholt oder abgehängt werden", sagte Bajohr. Dafür sei es auch notwendig, dass sich viele Menschen nach Einbeck in Bewegung setzen, die Stadt besuchen, hier arbeiten und leben. "Setzen Sie sich ein, oder geben Sie wenigstens einen guten Ratschlag", appellierte der Vorsitzende.

Impulse aus Einbeck für Einbeck vermittelten beim Neujahrsempfang vier Geschäftsführer Einbecker Unternehmen. Christian Gabriel erinnerte an die Strecken-Reaktivierung, jetzt sei Einbeck wieder mit Bahnanschluss versehen. Die Bauarbeiten seien in nur sechs Wochen erledigt worden, die Kosten nur um zwölf Prozent auf 9,2 Millionen Euro gestiegen. Möglich sei in naher Zukunft, die Strecke bis zum PS-Speicher/BBS für die stündlichen Pendelzüge zu verlängern. Das Planfeststellungsverfahren für einen weiteren öffentlichen Haltepunkt Otto-Hahn-Straße bei KWS laufe. Mittelfristig werde man den Zuglauf bis zum Endpunkt Sachsenbreite verlängern, für eine Ladestelle dort für den Holz-Güterverkehr läuft laut Gabriel ebenfalls bereits das Planfeststellungsverfahren. Möglich sei grundsätzlich dann auch ein Haltepunkt bei Kaufland.

Rainer Koch berichtete über die Erweiterung der Einbecker Senfmühle, die man angegangen sei, um mehr Besucher (Kapazität von 20.000 Besuchern pro Jahr) begrüßen und informieren zu können, mehr Platz für Mitarbeiter zu haben. Leider stockten nach erfolgtem Gebäude-Abriss seit Monaten die Neubauarbeiten, die man eigentlich bereits abgeschlossen haben wollte. Weil Gefahr durch das benachbarte westliche Nachbargebäude bestehe, das auch nur noch abgerissen werden könne, gebe es seit Juli einen Baustopp und ein Betretungsverbot für das Baugrundstück. Hinzu komme bei den Eigentumsverhältnissen des Nachbargrundstücks ein kompliziertes gerichtliches Dreiecksverfahren, an dem auch die Stadt beteiligt sei. "Wir haben ein Jahr verloren, und das Ende ist noch nicht abzusehen", sagte Koch. "Aber wir lassen uns nicht entmutigen und halten an unserem Vorhaben fest." Einen weiteren Bauantrag wird die Senfmühle in den nächsten Tagen für den Umbau des erworbenen Hauses an der Ecke Knochenhauerstraße/Breiter Stein stellen, kündigte Koch an. Dort sollen drei weitere Ferienwohnungen entstehen, die Senfmühle hätte dann insgesamt acht.

Über die Leistungsbreite und die Pläne der Stadtwerke Einbeck informierte Geschäftsführer Bernd Cranen. Mit 85 Mitarbeitern erwirtschaftete das hundertprozentige Unternehmen der Stadt Einbeck (seit 18 Jahren auf dem freien Markt) zuletzt einen Jahresumsatz von 46 Millionen Euro, jedes Jahr werden rund vier Millionen Euro investiert. 2023 wollen die Stadtwerke das Gasnetz in der ehemaligen Gemeinde Kreiensen übernehmen, sobald dort die Konzessionsverträge auslaufen. Aktuell bauen die Stadtwerke im Schwimmbad die Gastronomie komplett um, ändern das Konzept. Die Bedeutung der Stadtwerke in und für Einbeck wurde deutlich, als Cranen vom Trink- bis zum Badewasser, die Strom- und Gasversorgung, das Parkhaus, die neue Solardächer-Initiative, die fünf Windräder und vier Stromtankstellen (zwei neue gibt es in diesem Jahr) schilderte. Letztlich, augenzwinkerte Cranen, liefere sein Unternehmen auch das Wasser für die Weiterverarbeitung zum Einbecker Bier.

Der PS-Speicher wird am 3. Oktober den "Saal 7" neu eröffnen, den Ausstellungsbereich über die 1980-er Jahre und die Maueröffnung. Das kündigte Geschäftsführer Lothar Meyer-Mertel an. Dabei werde dieser Oldtimer-Museumsbereich auch in der Außenfassade oberhalb der Genusswerkstatt durch einen Fensterdurchbruch sichtbar. Wie erwartet, wenn auch etwas stärker als geplant, seien die Besucherzahlen zuletzt auf 90.000 Gäste pro Jahr zurück gegangen, das sei nach gut vier Jahre nach Neueröffnung aber normal bei Museen. Wichtig sei eine klare Positionierung der Stadt zu ihren Kernthemen, eine Weiterentwicklung der touristischen Infrastruktur, appellierte Meyer-Mertel und knüpfte an die Wort der Bürgermeisterin an. Ein interessantes Gedankenspiel verdeutlichte die Größe und Bedeutung des PS-Speichers für Einbeck: Wenn man die gesamte Sammlung zugänglich machen würde (also 400 Exponate im PS-Speicher, vier Depots, 2400 Motorräder, Pkw, Lkw, Bulldogs und Kuriositäten), könnten rechnerisch alle Einwohner Einbecks mit Oldtimern von Karl-Heinz Rehkopf gleichzeitig einen Ausflug machen. 

Die "Gläserne Eule" 2019 erhielt Albert Eggers, seit über 40 Jahre Mitglied der Karnevalsfreunde, seit 2011 Präsident der Narren-Gesellschaft, ist bekannt in der Bütt auch seit Jahrzehnten als "Bierkutscher", war mit Ehefrau Gundi 1978 das Prinzenpaar. "Karneval in Einbeck ohne unseren Preisträger wäre wie Einbeck ohne Bier", würdigte Einbeck-Marketing-Vorsitzender Christoph Bajohr.