"Nie nichts" in der Art Lounge
08.04.2018, fb – Unterhaltung

Es war beinahe Klubatmosphäre, die in der Art Lounge Newcomer bei der Vernissage herrschte: Coole Klangcollagen, arrangiert von Aiko Okamoto alias DJ Kohlrabi, lieferten den perfekten Soundtrack für die beachtlich großformatigen Fotografien, die Anja Köhne bis zum 12. Mai in dem Einbecker Kunstraum an der Tiedexer Straße unter dem Titel "nie nichts" präsentiert. Die perfekt auf die Art-Lounge-Räume abgestimmte Fotoausstellung, die allein schon wegen ihrer ungewöhnlichen Hängung ein Hingucker ist – längst nicht alle Werke werden an der Wand präsentiert. Die drei Buchstaben "UND" über der Tiedexer Straße überlassen die Interpretation den Betrachtern.

Anja Köhne, Absolventin der Klasse Bernhard Prinz an der Kunsthochschule Kassel, schlägt mit dem Arrangement ihrer Arbeiten eine Brücke zwischen klassischer Hängung und Rauminstallation. Ein Setting, das die Galerie gewissermaßen zu einer Bühne werden lässt – und verrät, dass Köhne unter anderem eine passionierte Theaterfotografin ist, die durch ihre intensive Arbeit mit den Spielräumen der darstellenden Kunst ihren Blick für die Inszenierung von Objekten im (Bild-)Raum ungemein geschärft hat, wie es in einer Pressemitteilung heißt.

Der Eindruck des Bühnenartigen setzt sich in vielen von Köhnes Fotografien fort. Oft sind es kaum zu identifizierende Dinge, die Köhne isoliert und mit makelloser Lichtregie inszeniert - etwa verfremdend arrangierte Bestandteile ihres Fotoequipments oder die Oberfläche eines Hühnereis in derart monumentalem Abzug, dass der Betrachter eine zerfurchte Planetenoberfläche zu erkennen meint.

„Die Gloria der Fotografie konzipiert zugleich ihr Elend“, formulierte Kunstkritiker Michael Stoeber bei der Vernissage, und sieht darin den hohen Anspruch an die künstlerische Fotografie begründet. Es gehe nicht darum, nur das aufzunehmen, was sich vor dem Objektiv abspielt. Was den „Fotoknipser“ vom Fotokünstler unterscheide, sei die Inszenierung der Wirklichkeit vor dem Objektiv.

So fragen Köhnes Fotografien nach der Grenze zwischen dem konkreten, greifbaren Objekt und seiner fotografischen Repräsentation. Indem Köhne ihre Fotografien teilweise frei im Raum platziert, werden diese ihrerseits selbst zu Skulpturen und der Betrachter darf darüber grübeln, ob sich – wie in Jahrhunderten Kunstgeschichte geschehen – tatsächlich eine strikte Trennlinie zwischen „Flachware“ und Skulptur, zwischen dem Gegenstand und seiner Abbildung ziehen lässt.

Die Ausstellung „nie Nichts“ von Anja Köhne ist bis zum 12. Mai zu sehen: mittwochs von 11 bis 13 Uhr und 15 bis 17 Uhr, freitags von 16 bis 18 Uhr und sonnabends von 11 bis 13 Uhr.