PS-Halle ist "Unter Strom"
14.04.2018, fb – Wirtschaft, Freizeit

Ihr Antrieb ist nicht Benzin oder Diesel, sondern ein Kabel mit Stecker: 33 Exponate aus 130 Jahren Elektromobilität sind der spannende Stoff, aus dem die neueste Sonderausstellung im PS-Speicher in Einbeck mit außergewöhnlichen Fahrzeugen auf zwei, drei und vier Rädern entstanden ist. „Unter Strom“ erzählt ab 15. April bis Jahresende in der PS-Halle, dass nicht erst heute das Thema Elektromotor am Start ist. Denn die Geburtsstunde des ältesten ausgestellten Elektrofahrzeugs liegt bereits im Jahr 1888, auch wenn der gezeigte „Flocken Elektrowagen“ aus Coburg, ein viersitziger Kutschwagen mit hohen Rädern, ein Nachbau ist. Die Kraft wird bei ihm per Lederriemen vom Elektromotor auf die Hinterachse übertragen. „Nach allem, was wir wissen, unternehmen wir als erstes Ausstellungshaus den Versuch, die gesamte Entwicklungsgeschichte stromgetriebener Fahrzeuge darzustellen“, sagt PS-Speicher-Geschäftsführer Lothar Meyer-Mertel.

Die neue Sonderausstellung zeigt „nicht nur altes Blech“, wie Ausstellungsmacher Sascha Fillies sagt, sondern auch moderne Autos „unter Strom“. „Wir nähern uns dem Thema aber nicht mit dem ökologisch erhobenen Zeigefinger“, macht Fillies deutlich. Die aktuellen Modelle von hiesigen Autohäusern werden während der Ausstellungszeit mehrmals ausgetauscht. Ziel der Schau sei deutlich zu machen, dass der Elektro- und der Verbrennungsmotor eine fast gleich lange Geschichte haben. Erst der 1912 serienreif werdende elektrische Starter beförderte indirekt den E-Motor ins Aus. Bis dahin waren Verbrennungsmotoren komplizierter, da sie mit der Kurbel angeworfen werden mussten, E-Autos hingegen vergleichsweise leicht zu zu bedienen. „Wir stellen den Besuchern die Fülle an Visionen und Ideen vor“, sagt Meyer-Mertel. „Eine Bewertung ist nicht unser Ziel.“

Zu den Hinguckern, die vor allem auch auf der Galerie der PS-Halle zu sehen sind, gehört nicht nur die Flocken-Kutsche mit 100 Kilo leichtem Blei-Akku. Zu sehen ist auch ein Detroit Electric von 1915, mit dem Stifter Karl-Heinz Rehkopf vergangenes Jahr noch die Rallye bis nach Hildesheim gefahren ist. Das Fahrzeug wurde bis in die 1970-er Jahre als Alltagsfahrzeug einer älteren Dame im New Yorker Straßenverkehr genutzt. „Unter Strom“ zeigt mit einem Hansa Lloyd-Lastwagen aus dem Jahr 1923 und einem Brot-Lieferwagen der Wittler-Brotfabrik in Berlin aus den 1930-ern, dass bereits in früheren Zeiten der Elektroantrieb für den Stadtbetrieb genutzt wurde. Berlin beispielsweise hatte in der zweiten Hälfte der Goldenen Zwanziger den Beinamen „Elektropolis“, auch Taxis fuhren in der Hauptstadt mit AEG-Batteriepacks.

Die ausgestellten batteriebetriebenen Fahrzeuge zeigen, wie sich die Elektromobilität von den ersten Versuchen über durchaus alltagstaugliche Varianten bis zu heutigen Serienfahrzeugen entwickelt hat. Mit einem Streetscooter „Work“ und aktuellen Elektrofahrzeugen schlägt der PS-Speicher in seiner neuen Sonderschau die Brücke zur Gegenwart. Auch technische Themen wie die Batterietechnologie im Wandel der Zeiten und künftige Mobilitätsvisionen wie beispielsweise von Elon Musk dokumentiert die Ausstellung „Unter Strom“ unterhaltsam. „Immer wieder gab es Bestrebungen, Elektroautos massentauglich auf die Straße zu bringen“, sagt Ausstellungsmacher Sascha Fillies. Sozusagen als visionäres Abschlussexponat der Sonderausstellung finden die Besucher in der PS-Halle den Formula-Student-Rennwagen „Blue Flash“ der HAWK Göttingen aus dem Jahr 2017. Das weiter entwickelte Fahrzeug, Modelljahr 2018, feiert am 17. Mai um 18.30 Uhr in der Ausstellung seine öffentliche Premiere.