Rathaus-Pläne: Bierbar im Keller und Ferienappartements im Obergeschoss?
27.01.2017, fb – Politik

Eine Bierbar im Keller mit historischem Tresorraum als besonderer Gastronomie-Location, moderne Veranstaltungs- und Ausstellungstechnik für das Erdgeschoss, eine Anwaltskanzlei oder Ferien-Appartements im Obergeschoss, ein alle Geschosse ohne Stufen erschließender Fahrstuhl mit zusätzlichem Eingang an der Ostgiebelwand – diese Ideen gibt es für das heute meistens weitestgehend leer stehende Alte Rathaus am Marktplatz in Einbeck. Bis Ende Februar können Interessierte im Rathaus jetzt noch weitere Anregungen geben, am 7. März beschäftigt sich der Bauausschuss des Stadtrates mit den Plänen, konkretisiert diese und bereitet die Konzeption soweit auf, dass im Mai entsprechende Förderanträge gestellt werden können, bei denen Mitte 2018 Geld fließen könnte. Diesen Zeitplan legte Bauamtsleiter Frithjof Look vor.

Wie kann das Alte Rathaus nicht nur saniert, sondern auch neu gestaltet werden, damit es wieder attraktiver wird – für Bürger wie für Touristen gleichermaßen? Wie kann das ursprünglich aus dem 16. Jahrhundert stammende Gebäude barrierefrei erschlossen werden, wie kann der historische Gewölbekeller genutzt werden? Überlegungen dazu stellten jetzt die Architekten des Büros SHH aus Hildesheim öffentlich vor. Sie hatten im Zuge des Projekts Fachwerk-Fünfeck den Auftrag erhalten, beispielhaft zu zeigen, wie neues Leben in das historische Gebäude einziehen kann. Wieviel Geld dafür notwendig sein wird, blieb beim Informationsabend ungenannt.  

Marco Evers präsentierte die Ideen, wie umgebaut werden könnte. Die Rathaushalle soll so verändert werden, dass sie als Veranstaltungs- und Ausstellungsfläche moderner und flexibler genutzt werden kann. Der historische Diek-Käfig sowie die „Eiserne Truhe“ und die „Hochzeitstruhe“ sollen dabei „inszeniert“, besser beleuchtet und damit markanter sichtbar werden. Das heute in der Halle stehende Stadtmodell soll in den östlichen Turm wandern.

Beim Obergeschoss könnten sich die Planer vorstellen, sechs unterschiedlich große (27 bis 40 Quadratmeter) Ferien-Appartments als eine Art Gästehaus entstehen zu lassen, alternativ könnte hier aber auch eine Anwaltskanzlei, Arztpraxis oder Versicherung mit ihren Büros einziehen. Es gebe eben einen „gewagten“ und einen „soliden“ Entwurf, sagte Bauamtleiter Frithjof Look. Wichtig sei die Akzeptanz in der Bevölkerung, „es funktioniert nur, wenn’s auch geliebt wird“. Schließlich sei das Rathaus ein „Sinnbild der Bürgerschaft und des Bürgerstolzes“.

Ein sehr großer Teil der Raumfläche in den drei Stockwerken kann barrierefrei erschlossen werden – über einen Fahrstuhl, der von der Ostseite vom Marktplatz aus ohne Stufen zugänglich sein wird, sagen die Planer. Der Fußboden im Obergeschoss soll verstärkt werden, auch um den heute markanten Trittschall verschwinden zu lassen; Ziel ist ebenfalls, die Akustik in der Rathaushalle zu verbessern. An der Ostseite unweit des Fahrstuhls sollen im Erdgeschoss zusätzliche, behindertengerechte Toiletten eingebaut werden. Der Fußboden im Kellergewölbe soll abgesenkt werden, um die Raumhöhe optimieren und die Fläche besser (gastronomisch) nutzen zu können. 

Zur Verfügung stehen rund 500 Quadratmeter im Keller (266 Quadratmeter könnten davon potenziell künftig genutzt werden), 603 Quadratmeter im Erdgeschoss (82 Quadratmeter könnten zusätzlich zur bisherigen Fläche genutzt werden) und 612 Quadratmeter im Obergeschoss (fast 500 Quadratmeter könnten zusätzlich zur heutigen Verwendung in Zukunft genutzt werden). Der 375 Quadratmeter große Dachboden kann nicht genutzt werden, da er als Wochenstube für das Große Mausohr (Fledermaus) ein FFH-Gebiet darstellt und damit tabu ist.

Das Alte Rathaus ist nach dem Stadtbrand von 1540 errichtet worden, zuletzt ist die Rathaushalle 1962 neu gestaltet und das Obergeschoss 1970 umgebaut worden. Zu den Besonderheiten gehört ein Tresorraum im Keller, der aus der Zeit als Sparkassen (1830) stammt. Das Rathausgebäude war in den vergangenen Jahrhunderten Kaufhalle, Tanzhaus, Markthalle, Gericht, Zeughaus, Sparkasse und Ende des 19. Jahrhunderts auch einmal Schule („Technikum“).