Skulptur mit documenta-Künstler Timm Ulrichs in Einbeck geplant
27.05.2017, fb – Wirtschaft, Sonstiges

Einbeck könnte schon im nächsten Jahr eine Skulptur bekommen, die gemeinsam mit dem documenta-Künstler Timm Ulrichs entstanden ist. Das Konzept hat jetzt der Einbecker Günter Dietzek im Kulturausschuss des Einbecker Stadtrates erstmals öffentlich gemacht. Das Kunstwerk soll wie bereits das 2014 entstandene Rad "Mobilität" des Künstlers Hans-Oiseau Kalkmann (Bodenburg) zusammen mit Jugendlichen entstehen. Das aktuelle Kunstwerk „von null bis unendlich“ soll mit Begleitung von Schülern der PGS Dassel und der Goetheschule Einbeck gestaltet werden. "Die Jugendlichen erhalten einen Einblick in eine professionelle Projektgestaltung und bekommen damit die Chance, ihre künstlerische Begabung zu vervollkommnen", erläutert Günter Dietzek die Zielsetzung. Die geschätzten Kosten in Höhe von rund 95.000 Euro sollen vor allem über Stiftungen finanziert werden, aber auch an eine direkte Beteiligung von interessierten Bürgern ist gedacht. 

Die Figur, die Timm Ulrichs vorschlägt, ist zugleich äußerst kompliziert-komplex wie auch einfach: ein Unendlichkeitszeichen, das, aus einem um 90 Grad versetzten Blickwinkel betrachtet, eine Null ergibt (und umgekehrt), und dies mithilfe eines einzigen durchgehenden und kreuzungsfreien Linienzuges, der unvorhersehbar das eine Zeichen in das andere überführt. Diese Transformation, diese Aufhebung und Vereinigung der vermeintlich nicht zu vereinbarenden Gegensätze und Extreme „null“ und „unendlich“ lässt scheinbar Unmögliches Wirklichkeit werden, heißt es in der Objektbeschreibung. Die Null steht dabei für den hiesigen Standpunkt, den Ausgangspunkt – an der Nordseite der Marktkirche – und das Unendlichkeitszeichen strahlt aus in alle Welt – lesbar als Sinuskurve, als Wellenbewegung. Aufgrund ihrer formalen und metaphorischen Eigenschaften könnte für die Stadt Einbeck ein treffendes Sinnbild entstehen: Auf der Basis eines historischen Fundaments entfaltet sich Einbeck mit Dynamik in eine positive Zukunft.

Die etwa fünf Meter hohe und ebenso breite Skulptur wird durch im Erdreich verborgene und wartungsfreie Motoren zum langsamen Rotieren gebracht.

Timm Ulrichs, geboren 1940 in Berlin, wuchs in Wildeshausen und Bremen auf. "Künstler wird man durch Entschluss, nicht durch Talent", bekannte Timm Ulrichs einmal, seit 1959 ist er als „Totalkünstler“ aktiv. Ulrichs gründete die „Werbezentrale für Totalkunst, Banalismus und Extemporismus“ in Hannover, die zur Verbreitung, Entwicklung und Produktion von Totalkunst dienen sollte. Weiterhin erklärte er sich 1961 zum „ersten lebenden Kunstwerk“. Ulrichs war von 1969 bis 2005 Professor für Bildhauerei und Totalkunst in Braunschweig und Münster. 1970 fand seine erste Totalkunst-Retrospektive in Krefeld statt, sieben Jahre später war er Teilnehmer der Documenta 6 in Kassel. 2011 widmeten das Sprengel Museum und der Kunstverein Hannover "dem Pionier der Konzeptkunst und selbst ernannten «Totalkünstler» Timm Ulrichs" eine große Retrospektive unter dem Titel „Betreten der Ausstellung verboten!“.