Skulptur "Von Null bis unendlich" eingeweiht
20.12.2018, fb – Wirtschaft, Sonstiges

Zu Füßen der Marktkirche St. Jacobi steht am Beginn der Einbecker Fußgängerzone auf der entstehenden "Magistrale der Baukultur" die neue Skulptur von Timm Ulrichs. „Von Null bis unendlich“ heißt das Kunstwerk des 78-Jährigen, der sich seit 1959 als "Totalkünstler" bezeichnet und unter anderem 1977 bei der Documenta ausgestellt hat. Timm Ulrichs zählt die Skulptur, die auf eine Installationsidee aus dem Jahr 1986 zurück geht, zu seinen zehn wichtigsten Arbeiten. Bei der offiziellen Einweihungsfeier nahm Einbecks Bürgermeisterin Dr. Sabine Michalek die sich langsam bewegende Skulptur in Betrieb und im Namen der Stadt entgegen.

In der Rathaushalle erläuterte Timm Ulrichs, welche Idee hinter seinem fünf Meter hohen Kunstwerk „Von Null bis unendlich“ steht, das in der Werkstatt von Axel Rößling in Berlin gefertigt worden ist. Als Konzept-Künstler stammt von Ulrichs die Idee, die handwerkliche Ausführung haben andere übernommen.

Ein sich bewegendes, gebogenes Edelstahlrohr formt das Unendlichkeitszeichen, die liegende Acht, und verwandelt sich dann in eine Null. Je nach Standort steht der Betrachter entweder dem Nichts oder der Unendlichkeit gegenüber. Ein im Boden eingelassener Motor hält die Skulptur mit 0,7 Umdrehungen pro Minute von 9 bis 21 Uhr langsam, permanent in Bewegung und lässt aus dem Nichts die Unendlichkeit und aus der Unendlichkeit das Nichts immer wieder von Neuem entstehen.

"Diese Skulptur ist die einzige, von der ich annehme, dass sie gewinnt, wenn man weiter weg geht", appelliert Timm Ulrichs zum Abstand. "Je dichter man dran ist, desto weniger erkennt man das Prinzip." Von zwei Beobachtungspunkten vor der Ratsapotheke und am Parkplatz Breil/Pastorenstraße formen sich Null und Acht am Deutlichsten. Bei "Von Null und unendlich" heben sich laut Ulrichs die scheinbaren Gegensätze auf. "Die Null ist auch der Keim, aus dem etwas sprießen kann, aus dem Nichts wird quasi alles."

"Wie ich auf diese Jahrhundertidee gekommen bin, kann ich gar nicht sagen", antwortete Timm Ulrichs auf eine Frage. "Aber als ich sie dann hatte, wusste ich, dass es eine sehr wichtige Idee ist." 32 Jahre habe es bis zur Umsetzung gedauert. "Wenn eine Idee so lange noch brauchbar erscheint, kann sie nicht ganz schlecht gewesen sein", sagt der 78-Jährige.

Die grazil-dünne Skulptur sei "eine Denkfigur, die gar nicht so viel optisch hergibt, sondern sich mehr im Kopf abspielt". Sie solle zu Zweifel, Neugier und Phantasie anstoßen, wünscht sich Ulrichs. "Es gibt immer andere Möglichkeiten des Denkens." Angebliche Alternativlosigkeit sei ein Zeichen mangelnder Phantasie. Timm Ulrichs: "Man kann immer Alternativen finden." Der Künstler beschäftigt sich gerne mit Paradoxien und Widerspüchlichkeiten, will das Unerhörte hörbar und das Unsichtbare sichtbar machen, wie er sagt.

Günter Dietzek als Gesamtorganisator dankte allen Beteiligten für die Zusammenarbeit in den vergangenen fast vier Jahren. "Passgenaue Kunst für Einbeck" stecke hinter der Projektidee, 2014 war mit "Mobilität" von Hans-Oiseau Kalkmann vor dem PS-Speicher das erste Kunstwerk dazu entstanden. Immer gehe es auch darum, Jugendliche an der Realisierung der Kunst zu beteiligen. Die neue Skulptur "Von Null bis unendlich" von Timm Ulrichs symbolisiere den Markenkern der Stadt, deshalb passe das "mutige, moderne Kunstwerk" gut zu Einbeck. Dietzek: "Einbeck hat eine unverwechselbare Tradition und eine lebendige Zukunft". Die Skulptur stehe auf der Nordseite der Marktkirche, weil diese 1327 erstmals sicher erwähnt und quasi ein Fundament der Stadt sei. Günter Dietzek dankte den politischen Entscheidungsträgern für den Mut, die Schenkung anzunehmen.

Passt die Skulptur zu Einbeck? Das sei er gefragt worden, sagte Timm Ulrichs. „Passt denn Einbeck zu meiner Skulptur?“ habe er da geantwortet, passe beispielsweise der schiefe Turm zu Pisa? Ein Werk dürfe durchaus selbstbewusst, müsse nicht immer nur dienend sein und sich verbeugen. Ort und Werk sollten auf Augenhöhe korrespondieren, meint Ulrichs. "Der Platz gewinnt durch die Skulptur und die Skulptur gewinnt durch den Platz, so gratulieren sich beide."

Die Kosten für „Von Null bis unendlich“ in Höhe von rund 95.000 Euro wurde von der AKB-Stiftung, der Bürgerstiftung Einbeck, der Kultur- und Denkmalstiftung des Landkreises Northeim und einer Vielzahl von einzelnen Bürgern finanziert. 19 Schülerinnen und Schüler der Goetheschule Einbeck und der Paul-Gerhardt-Schule Dassel konnten dank der Zukunftsstiftung Jugend, Umwelt und Kultur die Entstehung im Austausch mit dem Künstler seit dem Jahr 2015 begleiten. „Ich hatte das Vergnügen, mit vielen Schülern zu diskutieren“, blickt Ulrichs gerne zurück. Vielleicht sei es enttäuschend für die Schüler gewesen, dass er als Konzept-Künstler mit eher zwei linken Händen keine handwerklichen Tätigkeiten habe anbieten können.

Ein Video von der Einweihung hier.

Weitere Informationen auf der Website der Bürgerstiftung Einbeck hier.