Sonderausstellung im Einbecker Museum: Familienbilder im Wandel
15.08.2016, Frank Bertram – Unterhaltung, Sonstiges, Freizeit

16.08.2016, fb. Die Lebenswirklichkeit von Familien in Bildern und Zahlen von 1950 bis heute zeigt bis 25. September eine neue Sonderausstellung "Familienbilder im Wandel" im Stadtmuseum Einbeck. Die Fotos stammen dabei aus den privaten Familienalben der Arbeitsgemeinschaft der Familienverbände in Niedersachsen (AGF), die seit 2014 die Schau verleiht; erstmals ist sie in einem Museum zu sehen. "Die Zeiten ändern sich und es ist schön, dass uns diese Ausstellung den Wandel so eindrucksvoll vermittelt", sagte der stellvertretende Einbecker Bürgermeister Alexander Kloss bei der Eröffnung im kleinen Kreis. Gesellschaftlicher Wandel, Werteverständnis und familiäre Lebenswirklichkeit hätten sich in den vergangenen 60 Jahren verändert. Der Vorsitzende der AGF, Bernd Heimberg, nannte ein Beispiel: Während sich Kinder früher ihren Nahraum noch individuell und selbst erschließen konnten und sie Platz zum Spielen draußen auf der Straße hatten, würden sie heute von ihren Eltern zu ihren außerhalb des Wohngebietes gelegenen Freizeitaktivtäten mit dem Auto gefahren. Entwicklungen würden in der Ausstellung durch Bilder sichtbar gemacht.

Von Alleinerziehenden über Eheschließung und Kinderwunsch bis hin zur Vaterrolle und Zeitpolitik wie Familienmigration spricht die Ausstellung alle wichtigen familienbezogenen Themenbereiche an. In Generationsschritten aus den 1950-er, den 1980-er und 2010-er Jahren lassen sich historische Vergleiche ziehen.

Die Arbeitsgemeinschaft der Familienverbände in Niedersachsen zeichnet anhand von Fotos aus privaten Familienalben sechs Jahrzehnte gesellschaftlichen Wandels nach. War der Vater früher eher Respektsperson und Familienernährer, will er heute Alltagsverantwortung übernehmen und emotionale Bindung zum Kind aufbauen. Ergänzt sind die Tafeln durch lokale Exponate, beispielsweise Familienbibeln aus Einbeck oder Fotoalben.

Die Rahmenbedingungen für das Familienleben haben sich seit den 1950-er Jahren grundlegend verändert: Die Fotos aus Urlauben, von Taufen, Hochzeiten oder dem Familien-Weihnachten veranschaulichten den Wandel und die damit verbundenen Werthaltungen, sagte Heimberg. Wirkten die Aufnahmen aus früheren Jahrzehnten manchmal etwas steif, müsse man dabei auch berücksichtigen, dass das Fotografieren früher noch etwas Aufwändiges und Besonderes gewesen sei - was sich viele heute in Zeiten schneller Handy-Fotos gar nicht mehr so vorstellen könnten.

Die Schautafeln bieten den Besuchern einen Rundgang durch alle Facetten des Familienlebens und wollen eigene Erinnerungen wach werden lassen. Drei interaktive Objekte, die „Paarwippe“ für das richtige Gleichgewicht in der Beziehung, der „Zeitkuchen“ (wieviel Zeit soll der Beruf, wieviel die Freizeit einnehmen?) und das „Abstimmungsbarometer“ ergänzen die Ausstellung. Mit kleinen Bällen können Besucher ihre Antwort geben, warum Kinderwunsch häufig unerfüllt bleibt? Weil der richtige Partner fehlt, die finanzielle Basis nicht ausreicht, Beruf oder Ausbildung Vorrang haben, weil Kinder als Problem wahrgenommen werden oder weil es an verlässlicher Kinderbetreuung fehlt?

Anregend ist die Zusammenschau auch für das Nachdenken über Familienleben in der Zukunft, laden AGF und Stadtmuseum zum Besuch ein.

Die Ausstellung ist bis zum 25. September jeweils Dienstag bis Sonntag von 11 bis 16 Uhr im Stadtmuseum Einbeck, Auf dem Steinwege, geöffnet. Eine kostenlose Broschüre der AGF mit allen Tafeln der Schau ist dazu erhältlich.