Strategie für Museen gesucht
09.04.2018, fb – Freizeit, Politik

Sie erzählen mit Gegenständen und nicht mit Papier Geschichte: Wie können Museen in der Freizeitgesellschaft gegen eine vielfältige Konkurrenz bestehen, sich im Kampf um die freie Zeit der Menschen behaupten? Wie können sich Interessierte stärker an der Arbeit von Museen beteiligen, wie können Barrieren abgebaut werden? Die Suche nach einer passenden Strategie für die Zukunft und der Rolle der Museen in der Gesellschaft war Thema der Jahrestagung des Museumsverbandes Niedersachsen und Bremen, zu der rund 150 Teilnehmer nach Einbeck gekommen waren, vor allem Museumsleiter. "Wir diskutieren, wie sich Museen wandeln müssen, wie sich das sammeln und zeigen verändert", sagt Prof. Dr. Rolf Wiese, der Vorsitzende des Museumsverbandes.

Das Museum konkurriere in der Freizeitgesellschaft mit dem Ausflug ins Schwimmbad oder in den Wildpark, sagte Wiese. Die Besucher entscheiden, wie sie ihre Freizeit verbringen wollen. Ganz wichtig sei, dass Museen eine stärkere Teilhabe zulassen müssten. Das Museum dürfe nicht eine heilige Halle für wenige, allein für Studierte und Experten sein, sondern müsse Partizipation erlauben, müsse zu Projekten ermuntern, bei denen vielfältige und oftmals sehr kundige, engagierte Menschen beispielsweise eine Ausstellung mitgestalten können. Erste Schritte seien vielerorts gemacht, das Museum werde außerdem mehr zu spannenden Freizeit- und Erlebnisorten. Zum Kulturzentrum, in dem auch Konzerte oder Lesungen stattfinden. Museen müssten sich stärker den Fragen stellen: Welches Publikum spreche ich an, welches Publikum könnte ich durch Veränderungen zusätzlich erreichen? Denn prinzipiell stehen Museen allen Menschen offen, doch nicht alle Menschen besuchen Museen.

Das Museum sei in den meisten Fällen längst nicht mehr so angestaubt, wie viele denken. Das Museum beschäftige sich auch nicht allein mit der Vergangenheit, sondern zeige ebenso, wie man für die Zukunft lernen könne. Einbeck sei da mit seiner Sammlung über die Vertriebenen und Flüchtlinge in der Nachkriegszeit ein gutes Beispiel, wie aus historischen Stoffen Zukunft gesponnen werden könne, sagte Wiese. Denn beim aktuellen Zuzug von Flüchtlingen gebe es vieles, was es in gleicher oder ähnlicher Form bereits nach 1945 gegeben habe. 

Im Museumsverband sind rund 720 Museen in Niedersachsen organisiert, mit etwa 600 sind die meisten Museen kleine, ehrenamtlich geführte Häuser. Einbecks Museumsleiterin Dr. Elke Heege, die Beisitzerin im ehrenamtlich geführten Museumsverband ist, freute sich darüber, dass Einbeck erstmals seit mehr als 25 Jahren wieder Gastgeberort für die Tagung sein konnte.