Suedlink: Tennet informiert in Einbeck über geplante Erdkabel-Korridore
07.11.2016, Frank Bertram – Wirtschaft, Sonstiges

08.11.2016, fb. Übertragungsnetzbetreiber Tennet hat jetzt über die Gleichstromverbindung Suedlink und die Planungen zu den 1000 Meter breiten Erdkabel-Korridoren informiert. Tennet will im aktuellen informellen Beteiligungverfahren vor Beginn des eigentlichen Genehmigungsverfahren möglichst viele Hinweise einsammeln. Die Bundesnetzagentur erwartet den endgültigen Antrag von Tennet im ersten Halbjahr 2017. Rund 200 Besucher nutzten die Möglichkeit, sich über die Planungsgrundlagen, das Beteiligungsverfahren sowie die Technologie und den Bau von Erdkabeln zu informieren, einige gaben auch direkt vor Ort Hinweise zur Planung der vorgeschlagenen möglichen Erdkabel-Korridore.

Zwei mögliche Hauptrouten der 700 Kilometer langen Suedlink-Trasse führen durch den Landkreis Northeim. Die eine Variante kommt aus Richtung Alfeld und führt westlich von Einbeck, östlich von Moringen und Hardegsen und westlich von Nörten-Hardenberg in den Landkreis Göttingen. In der zweiten Variante führt die Stromtrasse aus dem Bereich Hildesheim und Bad Gandersheim östlich von Kalefeld und Katlenburg-Lindau ins Eichsfeld. 

Warum werden die geplanten Stromleitungen Wahle-Mecklar und Suedlink nicht auf einer Trasse vereinigt?

Die 380-kV-Strecke Wahle-Mecklar ist im Gegensatz zu Suedlink eine Freileitung in Wechselstrom, dieser Vorrang ist gesetzlich vorgeschrieben. Die komplette Strecke als Erdkabel zu verlegen ist deshalb nicht erlaubt. Falls es eine Nähe der Trassen von Wahle-Mecklar und Suedlink gibt, schließt Tennet aber nicht aus, unter die Freileitungstraversen das Erdkabel zu verlegen, um die Eingriffe möglichst gering zu halten.

Warum wird Bad Gandersheim von den Planungskorridoren „umzingelt“?

Die Planer wollen sich bis zum Antrag sehr viele Möglichkeiten offen halten, alle Wege von einer Variante zur anderen möglich machen können. Gebaut wird am Ende nur in einem Korridor, der ab 2017 im Planfeststellungsverfahren definiert wird. Für die 700 Kilometer lange Trasse gibt es momentan noch 124 Segmente mit einer Gesamtlänge von 2000 Kilometern, davon im Landkreis Northeim zehn Segmente.

Was passiert bei Flüssen oder einem Naturschutzgebiet mit dem Erdkabel?

Diese „Hindernisse“ werden mithilfe einer Bohrung gequert. Vorgesehen ist dies im Landkreis Northeim unter der Bölle bei Moringen im dortigen FFH-Gebiet sowie in der Rhume- und Oderaue bei Katlenburg-Lindau. In beiden Fällen sind die so genannten HDD-Bohrungen mit Plastikrohren kürzer 400 Meter.

Warum wird das Erdkabel in offener Bauweise erstellt und nicht komplett durch Bohrung?

Ein Erdkabel greift weniger in Landschaftsbild ein als Freileitungen mit Masten. Eingriffe in den Boden sind aber beim Bau des Kabels notwendig, beim Aushub der zwei Meter tiefen Gräben. Gleichzeitig können vor Beginn der Bauarbeiten beispielsweise archäologische Untersuchungen und solche zu Kampfmitteln und Hydrologie vorgenommen werden. Abweichende Bauweisen (Rohrpress-, Spülbohrverfahren, Mikrotunnel) werden berücksichtigt, um Auswirkungen auf Boden zu vermeiden und Hindernisse wie Straßen, Bahnlinien und Gewässer zu unterkreuzen. Nach Möglichkeit werden nur Baufahrzeuge mit geringem Gewicht eingesetzt, um die Verdichtung des Bodens zu minimieren.

Sind von dem Erdkabel Strahlungen zu befürchten?

Das elektrische Feld wird direkt durch den Kabelmantel eingedämmt und abgeschirmt. Das magnetische Feld ist direkt am Kabel circa 50 Mikrotesla stark, das entspricht dem natürlichen Erdmagnetfeld und beträgt etwa ein Zehntel des gesetzlichen Gleichstorm-Grenzwertes.

Wie können sich Bürger an der Planung beteiligen?

Im Internet unter www.tennet.eu sind nicht nur die möglichen Korridorverläufe zu finden, dort gibt es auch für Suedlink ein innovatives Online-Planungs- und Beteiligungstool, mit dem jeder bis zum 29. November direkt Hinweise zu den Planungen eingeben kann.       

"Einbecker Forderung"

Der Einbecker Stadtrat erhebt mit einer einstimmig beschlossenen Resolution zu den geplanten Stromleitungen Wahle-Mecklar und Suedlink sechs Forderungen. Weitgehend unberührte Natur- und Kulturräuume drohten durch die Trassen unwiederbringlich zerstört zu werden, heißt es in der „Einbecker Forderung“ genannten Erklärung. Der Rat der Stadt Einbeck erkennt den für die Energiewende notwendigen Ausbau der Infrastruktur an, fordert aber eine Verlegung der Leitungen entlang bestehender Infrastruktur, beispielsweise der Autobahn und der ICE-Trasse. Auch solle der Gesetzgeber die Bedingungen dafür schaffen, dass alle Stromtrassen komplett als Erdkabel verlegt werden können, heißt es in der Resolution. Landes- und Bundesregierung werden aufgefordert, die 380-kV-Leitung mit dem Suedlink „örtlich und zeitlich zu koppeln, wo beide Strecken zusammenlaufen“. Durch die übereilte Beendigung des Planfeststellungsverfahrens zur Wahle-Mecklar-Trasse mit klar ersichtlichen Verfahrensfehlern solle keineswegs die Möglichkeit zur Zusammenlegung ausgeschlossen werden, fordert der Stadtrat. Alle technischen Möglichkeiten sollten zudem ausgeschöpft werden, zur Sicherung der Ernteerträge die Wärmeentwicklung auf den belebten Boden zu minimieren, lautet eine weitere Forderung.