Verkehrsexperten testen bei Tagung sanierte Bahnstrecke
22.11.2018, fb – Wirtschaft, Politik

Bei ihrer Herbsttagung in Einbeck haben Verkehrsexperten des Verbandes Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) aus ganz Niedersachsen die reaktivierte Bahnstrecke mit einem der vier roten DB-Diesel-Triebwagen getestet, die in gut zwei Wochen den regulären Personenverkehr zwischen Einbeck-Mitte und Salzderhelden aufnehmen. "Wir können in den Tagungsraum fast hineinfahren", freute sich der Vorsitzende der VDV-Landesgruppe Niedersachsen, Michael Neugebauer, bei seiner Begrüßung der Vertreter von Verkehrsunternehmen im Hotel Freigeist als gebürtiger Einbecker besonders - der Zug stand bereits am Gleis vor dem PS-Speicher parat und hatte einige Gäste schon direkt zum Tagungsort gebracht. Die Bereisung der sanierten Strecke war ein Programmpunkt des zweitägigen Treffens, zu dem sich rund 50 Mitgliedsvertreter des Branchen-Lobbyverbandes in Einbeck trafen.

Erstmals nach 34 Jahren Pause werden ab 9. Dezember wieder regelmäßig Personenzüge zwischen Einbeck-Mitte und Salzderhelden fahren. Ilmebahn-Geschäftsführer Christian Gabriel erinnerte daran, dass dies nur möglich sei, weil die Ilmebahn die 4,4 Kilometer lange Strecke von der Deutschen Bahn AG gekauft hatte, als diese die Trasse 1999 aufgeben wollte. Die Ilmebahn fühle sich durch die Reaktivierung jetzt bestätigt, "vorhandene Infrastruktur zu erhalten und auf bessere Zeiten zu hoffen", wie er sagte. Die seien nun gekommen. Nach einem Jahr Planung und zwei Jahren Bauzeit wird das Mittelzentrum Einbeck wieder an den Personenverkehr angeschlossen. Rund 9,2 Millionen Euro kostet das Projekt, eine Million stammt von der Ilmebahn, sagte Gabriel. 

Klaus Hoffmeister, Geschäftsführer der Landesnahverkehrsgesellschaft (LNVG), blickte während der Testfahrt auf eine herausfordernde und spannende Zeit zurück. "Wir alle blicken gespannt dem 9. Dezember entgegen." Die Strecke sei in Rekordzeit ertüchtigt worden, trotz Widrigkeiten wie Denkmalschutz an einer Brücke und Hochwasser 2017. Wer die Realisierungszeiten von Infrastrukturmaßnahmen kenne, wisse es zu würdigen, dass seit der positiven Grundsatzentscheidung und der Betriebsaufnahme nur gut drei Jahre liegen. Hoffmeister dankte Ilmebahn-Geschäftsführer Christian Gabriel, Eisenbahnbetriebsleiter Sebastian Schülke und ihrem Team für die Umsetzung. 2019 bekomme die Strecke ja möglicherweise eine weitere Station (bei KWS, Otto-Hahn-Straße). "Wir hoffen, dass das Angebot so angenommen wird, wie das die Gutachter errechnet haben."

Antje Sölter, stellvertretende Bürgermeisterin der Stadt Einbeck, formulierte bei ihrem Grußwort die Bedeutung und Erwartung an die neue Schienenverbindung, die Menschen in 29 Minuten ohne Umstieg von der Kernstadt nach Göttingen bringen kann, und in 67 Minuten mit Umstieg in Salzderhelden auch nach Hannover. Einbeck wünsche sich mit der regelmäßigen Anbindung, für die werktäglich 600 Fahrgäste erwartet werden, eine Steigerung der Attraktivität und Lebensqualität, sie sei Wirtschafts- und Tourismusförderung. "Aber nicht alle haben gejubelt", erinnerte sie auch an die Kosten, die die Stadt Einbeck aus ihrem Haushalt zusätzlich zur halben Million für die Ilmebahn habe stemmen müssen, beispielsweise bei der Park&Ride-Anlage am Neuen Rathaus.

Neben der Probefahrt standen Fachthemen wie die Digitalisierung des Schienenverkehrs auf dem Tagungsprogramm. Der VDV (Verband Deutscher Verkehrsunternehmen) berät Verkehrsunternehmen regional und national – und bietet eine Plattform für den Erfahrungs- und Meinungsaustausch. Rund 600 Mitglieder aus dem Öffentlichen Personennahverkehr und dem Schienengüterverkehr sind im VDV in neun Landesgruppen und fünf Sparten organisiert

Ein Video von der Fahrt.