Viel Violine im PS-Raum
21.09.2017, fb – Unterhaltung, Wirtschaft

Raum - was für ein Motto bei den Niedersächsischen Musiktagen der Sparkassen in diesem Jahr. Ein Motto wie geschaffen für die PS-Halle in Einbeck - der vor einem Jahr mit den Musiktagen eingeweihte multifunktionale Hallenraum, der pferdestarken Boliden ebenso Platz bietet wie feiner Musik. Das machte Carolin Widmann mit der NDR-Radiophilharmonie bei ihrem Konzert deutlich. Im Zentrum, im Raum: Carolin Widmann, die international erfolgreiche Frau mit der Guadagnini-Violine aus dem Jahr 1782 unter dem Kinn. Sie war nicht nur Solistin, sondern ebenso Dirigentin und Programmgestalterin. "Es war ein herrlicher Abend für mich", schrieb Carolin Widmann nach dem Konzert ins Gästebuch.

Auf dem Programm des Abends stand eine seltene Kombination von gleich zwei Violinkonzerten der Romantik, komponiert von zwei Freunden: Zum einen das berühmte in e-Moll op. 64 von Felix Mendelssohn Bartholdy, zum anderen Robert Schumanns Konzert für Violine und Orchester in d-Moll, zu spielen in kräftigem, nicht zu schnellen Tempo, langsam, lebhaft, doch nicht schnell, wie es in den Anweisungen heißt. Mit Robert Schumanns Werk hat Carolin Widmann einem selten zu hörenden Werk Raum gegeben. Das Werk sollte ursprünglich 1853 uraufgeführt werden, was Geiger Joseph Joachim kurzfristig absagte, weil er noch nicht soweit war, wenig später ging Komponist Robert Schumann auf eigenen Wunsch in die Nervenheilanstalt Endenich bei Bonn. Seinem Violinkonzert haftete fortan der Makel an, das Werk eines Geisteskranken zu sein. Uraufgeführt wurde es schließlich 1937 von den Nazis in Berlin, weil sie das beliebte Violinkonzert von Mendelssohn Bartholdy verboten hatten und die Lücke im romantischen Repertoire schließen wollten. Auch wegen dieser Vergangenheit wird Schumanns Werk nur selten gespielt.

Für die Solistin Carolin Widmann ist das Schumann-Stück eines der schönsten Violinkonzerte, für das sie sich gerne stark macht: „Es ist völlig unerhörte, noch nie dagewesene Musik, die für mich eine ganz eigene Kategorie in der Violinliteratur darstellt. Und zwar die Kategorie, die mir am nächsten geht," sagt die 41-Jährige.

Die Zuhörer dankten für den besonderen und seltenen Genuss, in einem Konzert gleich beide großen romantischen Violinkonzerte zu hören, mit langem Applaus.

Zum Start in den Abend erklang Mendelssohns Streichersinfonie Nr. 9 C-Dur, die "Schweizer Sinfonie". Interessanter Kontrapunkt nach der Pause war Carolin Widmanns Solo allein auf der Bühne: eine Paraphrase ihres Bruder Jörg Widmann über den berühmten Hochzeitsmarsch aus Mendelssohns „Sommernachtstraum“.

Im nächsten Jahr wird die PS-Halle wieder Schauplatz bei den Niedersächsischen Musiktagen sein, kündigte Sparkassendirektor Stefan Beumer an. Dann wird's jazzig und swingig, gastieren wird im September 2018 die NDR-Bigband.