Vielfalt der Baudenkmale in einem Buch
22.11.2017, fb – Politik, Wirtschaft

Wozu das alles? Dr. Thomas Kellmann stellt die Frage selbst, als er das 3,5 Kilo schwere Buch über die Baudenkmale der Stadt Einbeck in die Hand nimmt. Auf 634 Seiten sind alle Altstadtstraßen mit ihren wichtigen Baudenkmalen aufgeführt, 792 farbige und 458 schwarz-weiße Fotografien und Abbildungen führen den Lesern die Baugeschichte einer Stadt vor Augen. Wie Biodiversität die Artenvielfalt bei Pflanzen zeige, sei es bei der Denkmaltopografie genannten Übersicht der Denkmale: Erst die Vielfalt führe komplexe Zusammenhänge vor Augen, die beispielsweise bei der Sanierung und Nutzung von Baudenkmalen und für die Entwicklung der Stadt hilfreich seien, sagt Kellmann. Der Oberkonservator des Landesamtes für Denkmalpflege hat mit dem vorgelegten Buch eine Arbeit abgeschlossen, die vor 25 Jahren begonnen wurde und die seit 2001 seine Aufgabe war.

Das Buch von Dr. Thomas Kellmann verortet in historischen und zeitgenössischen Karten, Texten und Bildern alle baulichen Anlagen mit Denkmalwert innerhalb der Wallanlagen und ordnet sie außerdem zeitlich ein. Neben der baulichen Entstehungsgeschichte beschreibt Kellmann auch die Entwicklungs- und Sanierungshistorie der Stadt Einbeck und ihrer Bauten detailliert von ihren Anfängen bis in die Gegenwart.

Man müsse die Denkmale und ihre Bedeutung kennen, um sie schützen zu können, begründete Christina Krafczyk die von Thomas Kellmann „mit großer Tiefenschärfe“ geleistete Arbeit, aus der nun eine „großartige Zusammenstellung“ entstanden sei, sagte die neue Präsidentin des Landesamtes für Denkmalpflege bei der Vorstellung des Buches.

Er erinnere sich noch gut an die anfängliche Skepsis von Hausbesitzern, wenn Dr. Thomas Kellmann mal wieder in deren Häuser, die Keller und Hinterhöfe hinein oder die Dächer begutachten wollte, sagte der langjährige Einbecker Baudirektor Gerald Strohmeier. Mit der Zeit sei aber Verständnis entstanden, ja sogar Bürgersinn geweckt worden: beispielsweise bei der Sanierung der Alten Synagoge durch einen Förderverein, dem Erhalt des Eicke’schen Hauses durch eine Stiftung oder die Umgestaltung des Kornhauses zum PS-Speicher durch die Kulturstiftung. Das Buch sei „ein Füllhorn von Erkenntnissen“, eine Fundgrube für Restauratoren, Architekten, aber auch Hausbesitzer in der Kernstadt und sammele wichtiges Wissen für die Zukunft beim Erhalt von Denkmalen, sagte Strohmeier.

Museums- und Archivleiterin Dr. Elke Heege erklärte, jede Sanierung eines Baudenkmals in Einbeck werde in Zukunft auf die Arbeit Kellmanns zurückgreifen, die Denkmaltopografie sei „auf Jahrzehnte ein Standardwerk“. Von Kellmann bereits 2014 abgeschlossen, aber noch nicht gedruckt sei leider der so genannte Hausstellenkatalog, in dem alle 800 historischen Hausstellen mit Denkmalbewertung aufgelistet sind. Er sei ein wichtiges Instrument für die Stadt Einbeck. Der Geschichtsverein Einbeck hat bereits einen Zuschuss für diesen Katalog beschlossen. „Ich wäre sehr dankbar für eine Veröffentlichung“, sagte Einbecks Bürgermeisterin Dr. Sabine Michalek. Neben dem Hausstellenkatalog fehlt auch noch die Veröffentlichung aller Einbecker Ortsteile. Sie sollen in einem weiteren Band publiziert werden, sobald Förderer vorhanden sind.