Vorrat für schlechte Zeiten
07.07.2018, fb – Sonstiges

Der Vorrat sollte für "schlechte Zeiten" sein, das Ende der Welt sei ohnehin nahe, Armageddon stehe bevor, nur mit der Zeit, wann das Jüngste Gericht stattfinden werde, da habe man sich wohl etwas verrechnet, gab der 67-Jährige zu. Und dass sich der Wirkstoff beim Marihuana so schnell verflüchtigt, wenn es nur beiseite legt, das hat der Mann nicht gewusst, der sich jetzt vor dem Amtsgericht Einbeck verantworten musste. "Ihre Sorgen, wie sie leben und wie sie denken, das ist zu respektieren", sagte Richter Thomas Döhrel. Aber der Besitz und der Anbau von Betäubungsmitteln sei nun einmal eine Straftat. Deshalb verurteilte das Schöffengericht den 67-Jährigen zu einer Bewährungsstrafe und einer Geldauflage. 1000 Euro muss er in 50-Euro-Raten von seiner kleinen Rente und der Grundsicherung abbezahlen, nach dem Willen des Gerichts  an die "Fleckenbühler", einer Lebensgemeinschaft, in der Menschen mit Suchtproblemen ohne Drogen leben wollen.

Den Besitz und den Anbau von Marihuana und Hanf hatte der Angeklagte eingeräumt, einen ebenfalls angeklagten Handel mit Betäubungsmitteln konnte das Gericht dem 67-Jährigen trotz einiger Zeugenbefragungen nicht nachweisen. Das Urteil fiel deshalb wegen unerlaubten Besitzes in Tateinheit mit unerlaubtem Anbau von Betäubungsmitteln in nicht unerheblicher Menge. Mehr als 1600 Gramm Marihuana hatten die Behörden 2015 bei dem heute 67-Jährigen auf seinem Grundstück in einem Einbecker Ortsteil gefunden, außerdem eine zwei Meter große Hanfpflanze und noch vier weitere Hanfsamen. Das Gutachten mit der Analyse der Stoffe habe sehr lange gedauert, entschuldigte sich die Staatsanwältin für die nicht gerade zeitnahe Anklage. Sie forderte auch eine etwas höhere Strafe, doch das Schöffengericht blieb bei einem Jahr und zwei Monaten, ausgesetzt auf drei Jahre zur Bewährung. Auch der Pflichtverteidiger kritisierte die lange Verfahrensdauer von dreieinhalb Jahren seit der Durchsuchung. Und bat um eine milde Bewährungsstrafe für seinen Mandanten, der bislang unbescholten und der geständig war. Dieses unauffällige Leben kann er nun weiter leben - jedoch ohne Cannabis-Vorrat bis zum Armageddon.