Was Archäologen in Kugenhusen gefunden haben
27.11.2018, fb – Politik, Wirtschaft

Am Weinberg am nordöstlichen Stadtrand von Einbeck hat in diesem heißen Sommer gut zwei Monate lang ein achtköpfigen Grabungsteam nach Überresten früherer Jahrhunderte gesucht. Auf der Fläche soll ab 2020 das Wohngebiet erweitert werden, im nächsten Jahr wird dafür der Bebauungsplan "Weinberg II" aufgestellt. „Unsere Erwartungen wurden erfüllt“, bilanzierte heute Einbecks Stadtarchäologe Markus Wehmer gemeinsam mit Bürgermeisterin Dr. Sabine Michalek die Ausgrabungen.

Neben erwarteten Töpferöfen, Grubenhäusern und Erdkellern aus dem Hochmittelalter, welche zur bereits bekannten Dorfwüstung „Kugenhusen“ gehören, konnten die Archäologen ein weitläufiges Siedlungsareal aus der älteren Eisenzeit, also der Zeit vor etwa 2800 Jahren, untersuchen. Bis zu 2,50 Meter tief waren die Gruben, die damals als Getreidesilo genutzt wurden. Die gesamte Erde haben die Archäologen fein gesiebt, zutage getreten sind dabei zwei Rinderschädel, die zurzeit noch zoologisch untersucht werden, um herauszufinden, aus welcher Epoche sie stammen, berichtet Wehmer. Hausgrundrisse, wie zuletzt in der Kolbeger Straße, wurden hier nicht wie zunächst vermutet gefunden.

In anderen, als dem Mittelalter stammenden Gruben haben die Experten zwei fast vollständig erhalten gebliebene Tongefäße bergen können. Ingesamt hat das Archäologenteam zwei Kubikmeter Scherben gefunden, die noch weiter ausgewertet werden. Darunter befand sich eine früher an Pferdegespannen befestigte kleine Schelle aus Messing oder Bronze, die noch heute klingelt. Aus Eisen ist der kleine Schlüssel, der vermutlich zu einer Truhe gehört hat. Das im 13. Jahrhundert aufgegebene Dorf „Kugenhusen“ ist seit 25 Jahren bekannt, Anfang der 1990-er Jahre haben dort am Negenborner Weg bereits Ausgrabungen stattgefunden, bei denen der damalige Einbecker Stadtarchäologen Dr. Andreas Heege eine hochmittelalterliche Töpferei aus dem Zeitraum 1140 bis 1220 mit insgesamt elf Töpferöfen großflächig untersuchen konnte. Hieran konnten seine Kollegen jetzt anknüpfen.

Töpfe haben im Mittelalter nicht so lange gehalten wie heute. Schnell wurden die Tongefäße damals durch neue ersetzt. Die nicht mehr gebrauchten haben die Menschen einfach in einem Grubenloch entsorgt, das sie gegraben hatten, um mit dem gewonnenen Lehm-Material die Häuser zu bauen. Für Archäologen ist diese Praxis der Vorfahren heute ein Glücksfall. Denn in den Abfallgruben entdecken sie viele Zeugnisse aus der Vergangenheit – Scherben und andere Fundstücke, die ihnen die Datierung von einstigen Siedlungen ermöglichen.

Für die Ausgrabungen, die von der Firma Arcontor (Cremlingen) unter der Leitung des Einbecker Stadtarchäologen Markus Wehmer durchgeführt wurden, sind im städtischen Haushalt rund 160.000 Euro kalkuliert, die wahrscheinlich nicht komplett notwendig werden, weil die Arbeiten nicht so lange gedauert haben wie gedacht. 2017 hatte der Einbecker Archäologe bei Voruntersuchungen geklärt, wo genau gegraben werden sollte und Ergebnisse zu erwarten waren.

In der Verlängerung des Alfred-Nobel-Ringes in Einbeck sollen ab 2020 die ersten weiteren Einfamilienhäuser in dem Wohngebiet am Waldesrand entstehen. Der notwendige Bebauungsplan für das 12.600 Quadratmeter große Areal, auf dem 16 Bauplätze vorgesehen sind, wird im kommenden Jahr aufgestellt, das Gebiet „Weinberg II“ dann vom Erschließungsträger Niedersächsische Landgesellschaft mbH (NLG) vermarktet.

 

Archäologie-Ausgrabung: "Kugenhusen" war deutlich größer (06.04.2017)