Wo Luthers Lehre früh ankam: Bischof besucht Hullersen
25.06.2017, fb – Politik, Sonstiges

Die Reformation vor 500 Jahren – sie beginnt in Hullersen. Zumindest auf dem Gebiet der heutigen Landeskirche. In der kleinen Dorfkirche predigte 1522 der dortige Pastor Johann Ebbrecht erstmals lutherisch, was dem 333-Seelen-Ort unweit von Einbeck heute den Besuch ihres Landesbischofs bescherte. Ralf Meister bezeichnete Hullersen in seiner Predigt als „Bethlehem der Landeskirche Hannovers“, was nichts anderes bedeuten soll, als dass dort die 1517 in Wittenberg ihren Anfang genommene reformatorische Lehre Martin Luthers auf dem Gebiet des heutigen Kirchensprengels geboren wurde. „Macht aus Eurem protestantischen Herz kein Geheimnis, erzählt von der Energie Gottes, erzählt, was hier vor 500 Jahren begonnen hat“, appellierte Meister an die Gottesdienst-Besucher. Die kleine Dorfkirche war voll besetzt, in zwei Zelten vor dem Gotteshaus verfolgten Besucher bei TV-Außenübertragungen den gut einstündigen Gottesdienst. 35 Bläser des Posaunenchors Holtensen-Hullersen und der Bläsergemeinschaft Kuventhal-Einbeck unter der Gesamtleitung von Kreiskantorin Ulrike Hastedt sorgten auf der Empore für einen kräftigen Klang.

Im Festgottesdienst schlüpfte Namensvetter und Pastor im Ruhestand Günter Ebbrecht aus Einbeck in Rolle und historisches Kostüm des Johann Ebbrecht und warf gemeinsam mit Pastor Daniel Konnerth und Superintendent Jan von Lingen als Tile Wolf und Hans Buckhagen einen Blick fünf Jahrhunderte in die Vergangenheit zurück. Die Leute damals 1522 auf dem Markt in Einbeck hätten nichts anderes mehr über das sie sprachen als Ebbrechts lutherische Messe in Hullersen, berichteten die beiden Hullerser Handwerker dem Pastor: „Einen Luther-Buben nennen sie euch.“

Gott sei Energie, predigte Landesbischof Ralf Meister. Und davon erzähle in Hullersen sogar ein Stromkasten, auf den muslimische Schüler bei einem Kunstprojekt mit den Berufsbildenden Schulen das Bild des eingekerkerten Luther-Predigers Johann Ebbrecht gemalt haben. „Ebbrecht hat den Druck ausgehalten, die Wahrheit gegen die damals größte Macht, die Kirche, zu sagen“, erklärte Landesbischof Meister. Was für ein starkes Symbol sei es da, wenn sich muslimische Schüler davon inspirieren lassen, heute, da in vielen muslimischen Staaten keine freie Meinungsäußerung möglich sei.

Der evangelisch-lutherische Glaube lebe bis heute allein von der Energie, die Schrift zu lesen: Nicht einem Gesetz, einem Ritual oder einem Ablass zu folgen, sondern individuell wie jeder die Heilige Schrift deute, das sei der Glaube. Ralf Meister: „Das ist die Stärke des Protestanismus, ein breiter Energiestrom, dass wir keine Lehrinstanz haben.“

Nach dem Gottesdienst besuchte der Landesbischof Jugendliche im Zeltlager an der Ilme in einer nachgebauten „Wartburg“. Seit 24 Jahren veranstaltet die Kirchengemeinde Leine-Weper auf einer fast gänzlich von Wasser umgebenen Wiese ihre Freizeit.

 

Frühere Version:

Einer der frühesten Orte der Reformation vor 500 Jahren in der heutigen Landkirche Hannover war Hullersen. Ralf Meister, Landesbischof der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannover, wird am kommenden Sonntag, 25. Juni, ab 10.30 Uhr in der Kirche des Einbecker Ortsteils predigen. Der Gottesdienst wird auch in mehrere Zelte neben der Kirche übertragen. Während sich Martin Luther 1522 auf der Wartburg versteckt hielt, um dort die Bibel zu übersetzen, sorgte der Mönch Johann Ebbrecht in der Dorfkirche in Hullersen für eine Sensation: Er predigte auf Deutsch, feierte das Abendmahl nach evangelischer Art mit Brot und Wein und kritisierte öffentlich den Papst und den Lebenswandel der Geistlichen zu jener Zeit. Nur aus einem Dorf bei Stade ist ein ähnlich früher evangelischer Gottesdienst bekannt, aber nur schwach belegt.

Was damals die gesamte Region in Aufregung versetzte, wird heute gefeiert, unter anderem mit dem Gottesdienst, der auch ein Anspiel über genau jenen mutigen Pfarrer Johann Ebbrecht beinhaltet. Sein Namensvetter und Pastor im Ruhestand Günter Ebbrecht aus Einbeck wird in dessen Rolle und historisches Kostüm schlüpfen, und gemeinsam mit Pastor Daniel Konnerth und Superintendent Jan von Lingen einen Blick in die Vergangenheit werfen.

Letzterer bereitete den Gottesdienst gemeinsam mit Pastorin Anne Schrader vor und lud auch den Posaunenchor Holtensen-Hullersen sowie die Bläsergemeinschaft Kuventhal-Einbeck dazu ein, die unter der Leitung von Kreiskantorin Ulrike Hastedt spielen werden. Auch Landrätin Astrid Klinkert-Kittel ist zu Gast und wird ein Grußwort sprechen.

Beginn des Gottesdienstes ist um 10.30 Uhr, bevor dann um 12.30 Uhr auf den Zeltplatz in Hullersen eingeladen wird. Hier wird Bischof Ralf Meister eine nachgebaute "Wartburg" besuchen, denn seit 24 Jahren veranstaltet die Kirchengemeinde Leine-Weper hier ihr Zeltlager. Eine fast gänzlich von Wasser umgebene Wiese liefert das besondere Ambiente und auch hier wird ein kleines Anspiel in die Zeit der beginnenden Reformation versetzen. Das Bauholz für die Wartburg wurde vom Sägewerk Jens Kiel aus Moringen, die großformatigen Pappen zur Ausgestaltung der Burgmauern wurden von Firma Thimm aus Northeim gespendet. Alles, was sonst zur Durchführung erforderlich ist, wird von den etwa 40 Teamern zuvor aufgebaut. Die Gesamtleitung hat Pastor Dirk Grundmann aus Moringen, heißt es im Pressedienst des Kirchenkreises Leine-Solling.

Wem das alles noch nicht ausreicht, der kann in Hullersen auch noch einen recht ungewöhnlichen Stromkasten bewundern, der einen Pastor hinter Gittern zeigt und an die Folgen von Pfarrer Ebbrechts mutigem Handeln erinnert. Bemalt wurde der Stromkasten von einigen muslimischen Schülern, die Ebbrechts Geschichte faszinierte.